Die historischen Titzer Gassen

Eine Befestigung des Ortes Titz ist nachgewiesen. Allerdings fehlen entsprechende Belege für die Vermutung, dass Titz auch schon vor 1245 eine Festung mit Wällen und Wassergräben bzw. mit Mauern und vier Toren, gewesen ist. Erwähnungen in Aufzeichnungen jedoch lassen darauf zurückschließen.
Über die Jahrhunderte verschwand die Befestigungsanlage und wurde zum Teil überbaut. Einige der vorhandenen „Gässchen“, wie sie umgangssprachlich genannt werden, bieten jedoch ein gutes Bild darüber, wie die Befestigungsanlage verlaufen ist. Anhand der Zeichnung „Codex Welser von 1723“ ist der Verlauf nachvollziehbar.


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 1 von 11)

Standort: Amelner Straße

Hier an dieser Stelle befand sich die Rodinger Porten, die 1723 erstmals erwähnt wird.

Die Befestigungsanlage kommt hierher aus Osten (aus Richtung Kalrather Gasse)

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite verläuft die Befestigungsmauer ab hier weiter Richtung Westen, bis sie nach ca. 200m nach rechts in nordwestliche Richtung abbiegt und dann auf die untere Linnicher Straße trifft. Dort befand sich die Isenkrather Pforte. (siehe Tafel 2 => Linnicher Straße unten)


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 2 von 11)

Standort: untere Linnicher Straße (Haus-Nr. 57 bzw. 66)

Hier an dieser Stelle befand sich die Isenkrather Pforte, die 1688 erstmals erwähnt wird (siehe Foto). Sie stand am westlichen Ende des Ortes.

Die Befestigung verlief ab hier weiter in nördliche Richtung und überquerte die heutige Wallstraße (siehe Tafel 3 => Wallstraße) bis auf Höhe der Rückseite von Velderstraße Haus Nr. 7 (Mülfahrt). Von dort lief sie dann an Haus Nr. 66 (Nowak) vorbei in nordöstliche Richtung weiter bis zur heutigen oberen Velderstraße. Dort mündete sie an die portzen zu Betgenhausen.


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 3 von 11)

Standort: Wallstraße oben

Die Festungsmauer verlief hier von der unteren Linnicher Straße kommend ca. 200m durchgehend weiter in nördliche Richtung. Ungefähr auf Höhe der Rückseite von Haus Velderstraße Nr. 7 (Mülfahrt) verlief die Mauer dann rechts ab weiter in östliche Richtung zur portzen zu Bettgenhaußen (siehe Tafel 4 => obere Velderstraße)

Die Wallstraße wurde erst in Neuerer Zeit angelegt (im 18.Jahrhundert). Sie hat ihre Bezeichnung vom damaligen Wall, der hier verlief.

Am unteren Ende der Wallstraße verläuft die heutige Matthiasstraße. In alten Karten ist dort ein Wasserverlauf eingezeichnet, sodass man davon ausgehen kann, dass sich dort, unterhalb des Festungswalles, der Wassergraben befand. Dieser Wassergraben wurde gespeist vom Bach, der aus östlicher Richtung kam (höchster Punkt des alten Dorfes).


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 4 von 11)

Standort: obere Velderstraße (Haus-Nr. 7 bzw. 4)

Hier an dieser Stelle befand sich im Norden des Dorfes die portzen zu Bettgenhaußen, die 1483 erstmals erwähnt wird. Die Befestigungsanlage verlief hier an den heutigen Häusern Nr. 7 (Mülfahrt) und 4 (Nowak) vorbei weiter in östliche Richtung und kreuzte dort die heutige Bungsstraße (siehe Tafel 7 => Bungsstraße)

Ab hier verlassen wir kurz den Verlauf der Befestigungsanlage und gehen zu den Tafeln 5 (am Pol) und 6 (Ecke Pastorat / Alte Schule)

1925 bauten die Titzer das Stadttor anlässlich der „1000-Jahr-Feier der Rheinlande“ nach

Unterhalb dieser portzen zu Bettgenhaußen befindet sich der „Titzer Hof“. In der Zeichnung Codex Welser ist dieser Titzer Hof entsprechend außerhalb des befestigten Ortes eingezeichnet. Heute ist dies das Haus Velderstraße Nr. 9.

Gegenüber vom „Titzer Hof“ befindet sich heute ein Teich. Ehemals war es ein Pfuhl (Tümpel, Ansammlung von Wasser), umgangssprachlich in Titz „Pol“ genannt, der als Viehtränke bzw. Löschwasseraufsammlung diente.
(siehe Tafel 5 => Pol)


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 5 von 11)

Standort: ehemaliger Pfuhl => „Pol“ (heutiger Teich); Velderstraße unten

Hier befand sich seit je her eine Viehtränke. Ein guter Platz, denn hier sammelte sich aufgrund des natürlichen Gefälles das Regenwasser und konnte Dank der Ummauerung aufgefangen werden. Gleichzeitig wurde er als Löschwasserteich genutzt. Im Bedarfsfall auch genährt durch eine Brunnenpumpe, die in der Ecke Pastorat/Alte Schule (siehe Tafel 6) stand.

Hier unten beginnt auch die Matthiasstraße, in deren Verlauf sich zur Zeit der Befestigungsanlage ein Wassergraben befand (siehe Tafel 3 => Wallstraße).

Seit ca. 1906 gab es die Ummauerung (Foto links von 1920). Ende der 1940er-Jahre wurde die Mauer abgerissen (Foto rechts von 1950). Später wurde der Platz befestigt und diente ab den 1970er-Jahren u.a. als Kirmesplatz (Fotos der Frühkirmes 1975).

Mittig auf diesem Platz stand auch eine Litfaßsäule, die für Plakate und Aushänge diente (zu erkennen auf dem Foto von 1975). Das Kreuz rechts stammt aus dem Jahre 1699. Der Baum ist eine Hänge-Esche.

Seit Anfang der 1990er-Jahre erfreut man sich hier am privat angelegten Teich mit Sitzbänken.


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 6 von 11)

Standort: Ecke Pastorat / Alte Schule

Hier stand „schon immer“ eine Brunnenpumpe. Sie kam zum Einsatz, wenn die Viehtränke am Pol leer bzw. ausgetrocknet war. Man pumpte dann einfach das Grundwasser hoch und ließ es die Straße hinunter laufen. Aufgrund des Gefälles lief das Wasser in den „Pfuhl“. So hatte man wieder Wasser für das Vieh und Löschwasser für den Fall eines Brandes.


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 7 von 11)

Standort: Bungsstraße (Haus-Nr.18/20 Schneider/Moll)

Die Festungsmauer kam hierhin von der heutigen Velderstraße (Tafel 4) und verlief weiter bis zum heutigen Friedhofsweg (siehe Tafel 8 => Friedhofsweg).

Zu erwähnen ist hier, dass sich in der hinteren Scheune Bungsstraße 18 zur damaligen Zeit das Schöffengericht befand. 1343 wird das ältere Schöffensiegel erstmals überliefert; 1549 wird erstmals das jüngere Schöffensiegel bezeugt.

Das ältere Schöffensiegel ist heute das Vereinsemblem
des Heimat- und Geschichtsvereins Titz


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 8 von 11)

Standort: Friedhofsweg (Ecke Friedhofsmauer)

Die Befestigungsmauer kam durchgehend von der Velderstraße (Tafel 4) über die heutige Bungsstraße (Tafel 7) bis hierher.

Ab hier verlief sie weiter in südliche Richtung, vorbei an der heutigen Totenhalle und weiter bis zur oberen Linnicher Straße. (siehe Tafel 9 => Linnicher Straße oben)


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 9 von 11)

Standort: obere Linnicher Straße

Hier befand sich das östliche Tor der Befestigung; die Bezeichnung dieses Tores ist nicht überliefert. Von hier aus konnte man Titz in Richtung Kalrath verlassen (Kalrather Gasse).

Die Befestigungsmauer kam hier aus Norden vom heutigen Friedhofsweg (Totenhalle). Ab hier verlief sie ca. 100m weiter in südliche Richtung (parallel zur heutigen Kalrather Gasse), um dort nach rechts in westliche Richtung abzubiegen und bis zur heutigen Amelner Straße bzw. der damaligen Rodinger porten weiter zu verlaufen (siehe Tafel 1 => Amelner Straße bzw. Tafel 10 => im Gässchen Ecke Amelner Straße / Landstraße).


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 10 von 11)

Standort: Gässchen Ecke Landstraße/Amelner Straße

Hier an dieser Stelle kam die Befestigungsmauer aus Osten (aus Richtung Kalrather Gasse) und verlief weiter bis zur Rodinger Porten (Tafel 1 => Amelner Straße). Das ehemalige, hier ursprünglich verlaufende Gässchen, wurde Teil der neu angelegten Gärten und verschwand.
Auf der großen Fläche hier hinter der Tafel stand „der Saal“. Ein großer Bau mit Bühne, der für Tanzveranstaltungen genutzt wurde. Er gehörte zum Gasthof Ramrath, der an der Landstraße lag. Bis Mitte der 1960er Jahre wurde er genutzt. Dann verfiel er und wurde schließlich am 31.12.1983 (einem Samstag!) abgerissen. Die Ära „Gasthof Ramrath“ endete in den 1960er Jahren.


Rundgang durch das historische Titz (Tafel 11 von 11)

Standort: Kirchgässchen (Aufeinandertreffen der drei Gässchen)

Hier treffen sich die drei Gässchen, die nicht direkt etwas mit dem Verlauf der ehemaligen Befestigungsanlage zu tun haben, jedoch sicherlich auch schon lange vorhanden sind, da sie entweder zur Kirche führen, von der Kirche kommen oder entlang am Kirchfriedhof zur Totenhalle führen. Hierzu gehört auch der Weg, der von der oberen Linnicher Straße/Kalrather Gasse zum Gässchen führt.

Auch heute noch werden sie für den wöchentlichen Kirchgang genutzt. Daher war die Sanierung dieser ebenfalls historischen Gässchen eine sinnvolle Verwendung im Rahmen der zweckgebundenen Fördermittel.


Text und Angaben zusammengestellt von Ortsvorsteher Norbert Schiffer in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein Titz im Jahr 2023